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Unabhängige Referenz zum Future Railway Mobile Communication System
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GSM-R und FRMCS im Vergleich: Anforderungen, Technik und Migration

Lokführer erreichen, Gruppen koordinieren, vor Gefahren warnen und ETCS-Daten übertragen: Diese Aufgaben bleiben beim Wechsel zu FRMCS bestehen. Grundlegend verändert sich die technische Umsetzung. Der Vergleich erklärt Entscheidern und Ingenieuren, was das für Netze, Fahrzeuge und Leitstellen bedeutet.

Autor
Ante Samardzic
Veröffentlicht
04 Oct 2026
Letzte wesentliche Änderung
—
Version
v1

Der Kern des Übergangs: GSM-R setzt Bahnfunktionen mit GSM-Technik und bahnspezifischen Erweiterungen um. FRMCS trennt Kommunikationsdienste und Transport stärker voneinander und nutzt im europäischen Zielbild 5G sowie Mission-Critical-Dienste. Der Erfolg der Migration zeigt sich daran, ob die betrieblichen Abläufe auch während des Parallelbetriebs zuverlässig funktionieren. [1] [2] [3]

EIRENE, GSM-R und FRMCS: Was wird verglichen?

EIRENE ist nicht bloss ein Konzept, sondern umfasst funktionale und systemtechnische Anforderungsspezifikationen für GSM-R. GSM-R bezeichnet das Bahnkommunikationssystem auf GSM-Basis. FRMCS, das Future Railway Mobile Communication System, bezeichnet dessen Nachfolger mit eigenen Spezifikationen. Ein sauberer Vergleich stellt deshalb Anforderungen den Anforderungen und Systeme den Systemen gegenüber. [1] [2] [10]

Ebene
Funktionale Anforderungen
GSM-R-Welt
EIRENE FRS
FRMCS-Welt
FRMCS FRS, FU-7120
Leitfrage
Was muss das System für den Bahnbetrieb leisten?
Ebene
Systemanforderungen
GSM-R-Welt
EIRENE SRS
FRMCS-Welt
FRMCS SRS, AT-7800
Leitfrage
Welche systemtechnischen Anforderungen gelten?
Ebene
Technische Konkretisierung
GSM-R-Welt
MORANE-Schnittstellen und referenzierte GSM-/GSM-R-Standards
FRMCS-Welt
FRMCS FIS/FFFIS und referenzierte ETSI-/3GPP-Standards
Leitfrage
Wie arbeiten die Komponenten zusammen?
Ebene
Kommunikationssystem
GSM-R-Welt
GSM-R
FRMCS-Welt
FRMCS
Leitfrage
Was verändert sich für Netz, Fahrzeug und Leitstelle?

FRS bedeutet Functional Requirements Specification, SRS System Requirements Specification. Beide sind Anforderungsdokumente: Die SRS ist noch keine konkrete Herstellerimplementierung. Zudem verteilen sich Anforderungen unterschiedlich auf die Dokumentfamilien; gleiche Kapitelnummern bedeuten keine inhaltliche Entsprechung. [1] [7] [11]

Wichtig: GSM-R ist nicht grundsätzlich «ohne IP». Die EIRENE-Spezifikationen berücksichtigen bereits IP-basierte Kernnetze sowie leitungs- und paketvermittelte ETCS-Datenübertragung. Der Wechsel zu FRMCS geht über die Einführung von IP hinaus. [1]

1. FRS gegen FRS: Was muss die Bahnkommunikation leisten?

Die folgende Tabelle ordnet die 14 ausgewählten EIRENE-Betriebsfunktionen der FRMCS FRS zu. Basis: EIRENE FRS 8.1.0 und FRMCS FRS 2.1.0. B01–B14 sind redaktionelle IDs, keine normativen Anforderungsnummern. [5] [10]

ID
B01
EIRENE-Betriebsfunktion
Lokführer–Fahrdienstleiter
EIRENE-Abschnitt
2.6, 5.2, 8
FRMCS-Entsprechung
Gespräche in beiden Richtungen
FRMCS-Abschnitt
10.3, 10.4
Einordnung
Weitergeführt
ID
B02
EIRENE-Betriebsfunktion
Funktionale Adressierung
EIRENE-Abschnitt
11.2
FRMCS-Entsprechung
Funktionale Identitäten
FRMCS-Abschnitt
6; Anhang D
Einordnung
Neu strukturiert
ID
B03
EIRENE-Betriebsfunktion
Funktionsanmeldung/-abmeldung
EIRENE-Abschnitt
11.3
FRMCS-Entsprechung
Rollenverwaltung und Registrierung
FRMCS-Abschnitt
8.2.4
Einordnung
Weitergeführt, erweitert
ID
B04
EIRENE-Betriebsfunktion
Ortsabhängige Adressierung
EIRENE-Abschnitt
11.4
FRMCS-Entsprechung
Standortbezogene Fahrdienstleiterauswahl
FRMCS-Abschnitt
10.3.2
Einordnung
Weitergeführt
ID
B05
EIRENE-Betriebsfunktion
Gruppenruf
EIRENE-Abschnitt
2.2, 5.2
FRMCS-Entsprechung
Mehrteilnehmerkommunikation und Sprechrechtssteuerung
FRMCS-Abschnitt
10.1, 10.2, 8.2.3
Einordnung
Neu strukturiert
ID
B06
EIRENE-Betriebsfunktion
Sammeldurchsage/Broadcast
EIRENE-Abschnitt
2.2, 5.2
FRMCS-Entsprechung
Sprechrechtsbeschränkung; Broadcast-Interworking
FRMCS-Abschnitt
8.2.3.4.8–9
Einordnung
Teilentsprechung; M-V3
ID
B07
EIRENE-Betriebsfunktion
Bahnfunknotruf
EIRENE-Abschnitt
13
FRMCS-Entsprechung
Railway Emergency Communication
FRMCS-Abschnitt
10.11
Einordnung
Weitergeführt
ID
B08
EIRENE-Betriebsfunktion
Priorisierung und Verdrängung
EIRENE-Abschnitt
2.4, 10.2
FRMCS-Entsprechung
Prioritätsbehandlung
FRMCS-Abschnitt
8.2.8; Anhang J
Einordnung
Weitergeführt
ID
B09
EIRENE-Betriebsfunktion
Rangierkommunikation
EIRENE-Abschnitt
7A, 14
FRMCS-Entsprechung
Rangiersprache und Verbindungsüberwachung
FRMCS-Abschnitt
10.8
Einordnung
Wesentliche Anforderungen V3; Interworking teilweise Vx
ID
B10
EIRENE-Betriebsfunktion
Lokführer desselben Zuges
EIRENE-Abschnitt
5.2.2
FRMCS-Entsprechung
Banking Voice Communication
FRMCS-Abschnitt
10.6
Einordnung
Wesentliche Anforderungen V3
ID
B11
EIRENE-Betriebsfunktion
Kommunikation mit Zugpersonal
EIRENE-Abschnitt
5.2.2
FRMCS-Entsprechung
Bordinterne Sprachkommunikation
FRMCS-Abschnitt
10.21
Einordnung
Unvollständig; optional für V3 vorgesehen
ID
B12
EIRENE-Betriebsfunktion
Zugschutz-Datenkommunikation
EIRENE-Abschnitt
2.3
FRMCS-Entsprechung
Automatic Train Protection Communication
FRMCS-Abschnitt
11.4
Einordnung
Weitergeführt
ID
B13
EIRENE-Betriebsfunktion
Textnachrichten
EIRENE-Abschnitt
12
FRMCS-Entsprechung
Messaging Services
FRMCS-Abschnitt
11.27
Einordnung
Entsprechender Funktionsbereich
ID
B14
EIRENE-Betriebsfunktion
Übergabe von Leitstellenfunktionen
EIRENE-Abschnitt
8.6
FRMCS-Entsprechung
Übertragung funktionaler Identitäten
FRMCS-Abschnitt
8.2.4.6
Einordnung
Teilentsprechung; M-Vx

Leseschlüssel: V3 bezeichnet für Version 3 vorgesehene Anforderungen, Vx spätere Versionen. M bedeutet verpflichtend, O optional, jeweils im angegebenen Geltungsbereich. Die Kennzeichnungen gelten für Einzelanforderungen; eine Tabellenzeile ist keine pauschale Konformitätsbewertung. «Weitergeführt» bezeichnet den betrieblichen Zweck, keine identischen Abläufe oder Produktverfügbarkeit. [10]

Vier Betriebsabläufe für die vertiefte Migrationsprüfung

Für die Projektarbeit empfehlen wir folgende Prüfschwerpunkte. Die Fragen sind fachliche Ableitungen, keine zusätzlichen normativen Anforderungen:

  • B06 – Sammeldurchsage: Wer darf sprechen, wer hört nur zu und wie verhalten sich Teilnehmer beider Systeme?
  • B09 – Rangieren: Welche Verbindungsüberwachung wird benötigt, wie werden Unterbrechungen angezeigt und was gilt im Mischbetrieb?
  • B11 – Zugpersonal: Welche konkreten Gespräche sind erforderlich und durch welche freigegebene Spezifikation und Lösung werden sie abgedeckt?
  • B14 – Leitstellenübergabe: Werden Identitäten, Zuständigkeiten, eingehende Rufe und laufende Gespräche vollständig und korrekt übergeben?

Die Zuordnung ersetzt kein Einzelanforderungs-Mapping. Für eine Abnahme muss jede benötigte Funktion mit ihren Detailanforderungen, Ausnahmen und Nachweisen geprüft werden.

2. SRS und technische Standards: Wie werden die Funktionen umgesetzt?

Diese Ebene verbindet EIRENE SRS und FRMCS SRS mit den ergänzenden technischen Standards. Die Tabelle ist eine technische Synthese, kein ausschliesslicher SRS-zu-SRS-Vergleich. Sie zeigt, warum eine gleichbleibende Betriebsaufgabe dennoch neue Integrationsarbeit erfordert. [3] [4] [6] [7]

Betriebliche Aufgabe
Bestimmten Zug erreichen
EIRENE / GSM-R
Funktionale Rufnummer, die einer aktuellen Zugfunktion zugeordnet wird.
FRMCS-Zielbild
Funktionale Adressierung mit Functional Aliases und MC-Service-Identitäten.
Betriebliche Aufgabe
Zuständigen Fahrdienstleiter erreichen
EIRENE / GSM-R
Ortsabhängige Adressierung: Location Dependent Addressing.
FRMCS-Zielbild
Lokführer–Fahrdienstleiter-Kommunikation unter Nutzung der vorgesehenen Adressierungs- und Standortfunktionen.
Betriebliche Aufgabe
Mit einer Gruppe sprechen
EIRENE / GSM-R
Insbesondere VGCS, der GSM-Sprachgruppenruf.
FRMCS-Zielbild
MCPTT-Gruppenkommunikation mit Steuerung des Sprechrechts.
Betriebliche Aufgabe
Vor einer Gefahr warnen
EIRENE / GSM-R
Railway Emergency Call auf Basis der GSM-Gruppenrufmechanismen.
FRMCS-Zielbild
Notfallkommunikation mit REC-Alert und REC-Voice.
Betriebliche Aufgabe
Wichtige Kommunikation bevorzugen
EIRENE / GSM-R
Priorisierung und Verdrängung über eMLPP.
FRMCS-Zielbild
Abgestimmte Prioritätsbehandlung in Dienst und Transportnetz, unter anderem mit 5QI und ARP.
Betriebliche Aufgabe
ETCS-Daten übertragen
EIRENE / GSM-R
Leitungs- oder paketvermittelte Übertragung, abhängig von der Ausrüstung.
FRMCS-Zielbild
IP-basierte Konnektivität über die vorgesehenen FRMCS-Dienste und Schnittstellen; MCData IP Connectivity ist ein relevanter Baustein.

MCPTT steht für Mission Critical Push-to-Talk. MCData bezeichnet Mission-Critical-Datendienste. 5QI charakterisiert die Dienstqualität im 5G-System; ARP unterstützt Entscheidungen über Ressourcenzuteilung und Verdrängung. [3] [4]

3. GSM-R gegen FRMCS: Was ändert sich am Gesamtsystem?

ETSI unterscheidet zwei Schichten innerhalb des FRMCS-Systems: Service Stratum und Transport Stratum. Die Bahnanwendungen sind darüber im Railway Application Stratum angeordnet und liegen konzeptionell ausserhalb des eigentlichen FRMCS-Systems. [2] (Abschnitt 4.2.1)

Ebene
Bahnanwendungen
Aufgabe
Betriebliche Aufgaben wie Sprachkommunikation oder ETCS.
Konsequenz für die Planung
Funktion, Bedienung und Anwendungsschnittstellen festlegen.
Ebene
Service Stratum
Aufgabe
Kommunikationsdienste auf Basis von MCX/IMS sowie unterstützende Dienstefunktionen.
Konsequenz für die Planung
Identitäten, Rufabläufe und Dienstekopplung spezifizieren.
Ebene
Transport Stratum
Aufgabe
Konnektivität und Übertragung mit definierter Dienstqualität.
Konsequenz für die Planung
Funkversorgung, Kapazität und Verfügbarkeit dimensionieren.

Die Planungsfolgen in der Tabelle sind fachliche Ableitungen aus der Architektur. Die Schichtentrennung kann eine getrennte Beschaffung unterstützen. Sie garantiert jedoch keine beliebige Austauschbarkeit von Komponenten oder Lieferanten.

Auch auf dem Fahrzeug verändert sich die Integration: Die On-Board-FRMCS-Spezifikation beschreibt Funktionen und Schnittstellen für die Anbindung der Anwendungen und Funkmodule. Für ein Migrationsprojekt müssen deshalb Fahrzeugnetz, Einbau, Antennen und Redundanz gemeinsam bewertet werden. [8]

Welche Dokumente ergänzen den FRS-/SRS-Vergleich?

FRS und SRS bilden den Ausgangspunkt. Für Schnittstellen, Fahrzeugausrüstung und Migration sind weitere Dokumente erforderlich. Die Auswahl hängt vom betrachteten Anwendungsfall ab.

Prüffrage
Wie sind Verfahren und Anwendungsschnittstellen festgelegt?
Dokumentenbasis
MORANE FIS/FFFIS/FFFS auf GSM-R-Seite; FRMCS FIS (FIS-7970) und FFFIS (FFFIS-7950) auf FRMCS-Seite. [1] [11] [12]
Prüffrage
Was muss die Fahrzeugkommunikation leisten?
Dokumentenbasis
Fahrzeugbezogene EIRENE-Anforderungen; FRMCS TOBA FRS (TOBA-7510), SRS und ETSI TS 103 765-3. [8] [13]
Prüffrage
Wie wird GSM-R mit FRMCS gekoppelt?
Dokumentenbasis
ETSI TS 103 792: Interworking with GSM-R. [14]
Prüffrage
Wie verändert sich die ETCS-Anbindung?
Dokumentenbasis
UNISIG SUBSET-037-1 für GSM-R CS/PS und SUBSET-037-3 für FRMCS; SUBSET-037-2 behandelt die Sicherheitsschicht. [15]
Prüffrage
Welche Versionen sind regulatorisch referenziert?
Dokumentenbasis
CCS-TSI, Anlage A, mit ERA-Spezifikationslisten und Anmerkungen. Entwicklungsstand, regulatorische Referenz und Vertragsbaseline getrennt erfassen. [16]

Die Migration: Drei Nachweise für einen tragfähigen Mischbetrieb

Ein funktionierendes FRMCS-Netz allein löst noch nicht alle Übergangsfragen. Für die Projektplanung empfiehlt es sich, drei Aufgaben getrennt zu behandeln:

Aufgabe
Koexistenz
Was nachzuweisen ist
GSM-R und FRMCS können im vorgesehenen Gebiet parallel betrieben werden.
Was daraus noch nicht folgt
Teilnehmer beider Systeme können miteinander kommunizieren.
Aufgabe
Interworking
Was nachzuweisen ist
Die vorgesehenen Dienste funktionieren zwischen Teilnehmern beider Systeme.
Was daraus noch nicht folgt
Eine laufende Verbindung bleibt beim Systemwechsel erhalten.
Aufgabe
Dienstkontinuität
Was nachzuweisen ist
Sprache und Daten verhalten sich beim Systemwechsel gemäss den festgelegten betrieblichen Anforderungen.
Was daraus noch nicht folgt
Jeder Dienst funktioniert grundsätzlich ohne Unterbrechung.

ETSI sieht für das Interworking mit GSM-R einen eigenen Bezugspunkt vor; TS 103 792 konkretisiert das Interworking. Daraus folgt als Engineering-Empfehlung: Eine vorhandene Interworking Function ist für jeden benötigten Dienst zu prüfen; ihre Existenz allein belegt keinen nahtlosen Übergang. [3] (Abschnitt 4.2) [14]

Praktische Prüfliste für Entscheider und Ingenieure

Die folgende Liste ist eine Planungsempfehlung, kein vollständiger normativer Prüfkatalog:

  • Funktionale Erreichbarkeit: Wird nach Anmeldung oder Personalwechsel der richtige Lokführer erreicht?
  • Notfallkommunikation: Erreicht ein Notruf alle vorgesehenen Teilnehmer im Mischbetrieb?
  • Überlast: Werden priorisierte Dienste entlang der gesamten Verbindung bevorzugt behandelt?
  • Systemgrenzen: Was geschieht mit laufenden Gesprächen und ETCS-Daten beim Übergang?
  • Störungen: Welche Funktionen bleiben verfügbar und welche Informationen erhalten Bediener?
  • Wiederherstellung: Werden Identitäten, Gruppen und Verbindungen nach einer Störung korrekt aufgebaut?

Spezifikationsstand und Zeitplan: Meilensteine getrennt betrachten

Der Anforderungsvergleich verwendet EIRENE FRS 8.1.0 und SRS 16.1.0 sowie FRMCS FRS/SRS 2.1.0. Die verlinkten Schnittstellen- und ETSI-Dokumente ergänzen ihn. Dies ist eine redaktionelle Vergleichsbasis, kein konsistenter Konformitäts- oder Zulassungssatz. Für Entwicklungs- und Regulierungsmeilensteine gilt der zentrale Meilenstein-Datensatz dieser Website. Ergänzend: ERTMS Work Plan 2026, Seite 67. [9]

[[FRMCS\_MILESTONES]]

Der Arbeitsplan benennt Terminrisiken. Diese Angaben sind Planungsstände, keine garantierten Liefertermine und kein europaweiter Umschalttermin. [9]

Häufige Fragen zu GSM-R und FRMCS

Ist EIRENE das Konzept und GSM-R die Umsetzung?

Vereinfacht ja, aber EIRENE umfasst konkrete funktionale und systemtechnische Anforderungen. Für einen sauberen Vergleich stehen EIRENE FRS und SRS den FRMCS FRS und SRS gegenüber; auf Systemebene vergleichen wir GSM-R und FRMCS. [1] [10]

Ist FRMCS einfach GSM-R mit 5G?

Der Wechsel umfasst zusätzlich zur Funktechnik die Kommunikationsdienste, Identitätsfunktionen und Anwendungsschnittstellen. FRMCS trennt Service und Transport ausdrücklich. Die betrieblichen Kernaufgaben bleiben der Bezugspunkt für die Umsetzung und Abnahme. [2]

Reicht eine SIP-/IMS-fähige Leitstelle für FRMCS?

Die Unterstützung von SIP oder IMS allein belegt keine vollständige FRMCS-Kompatibilität. Zusätzlich sind die benötigten MC-Dienste, bahnspezifischen Funktionen und Schnittstellen nachzuweisen. Diese Schlussfolgerung ergibt sich aus dem Umfang des spezifizierten Service Stratum. [3]

Ersetzt FRMCS das Zugbeeinflussungssystem ETCS?

FRMCS stellt Kommunikation für Bahnanwendungen bereit. ETCS bleibt eine darauf angewiesene Anwendung. Bei der Migration müssen die jeweilige ETCS-Ausrüstung und ihre Kommunikationsanbindung zusammenpassen. [2] [7]

Was jetzt in die Beschaffung gehört

Empfohlenes Prüfschema: Betriebsfunktion → GSM-R-Anforderungsreferenz → FRMCS-Anforderungsreferenz → technische Änderung → Migrationsfolge → Abnahmenachweis. Dabei müssen auch entfallene Anforderungen, zusätzliche Anforderungen und noch offene Spezifikationspunkte sichtbar werden. Der vorliegende Beitrag liefert die Orientierung dafür, ersetzt aber kein vollständiges Anforderungsregister.

Für eine belastbare Beschaffung sollte jeder Anbieter pro benötigter Betriebsfunktion die unterstützte Spezifikationsversion, die Schnittstellen, das Verhalten im Mischbetrieb und die bestandenen Tests ausweisen. Auch Verantwortlichkeiten für Integration, Fehlerbehebung und Gesamtverfügbarkeit gehören in die Projektplanung. So wird aus der Bezeichnung «FRMCS-ready» eine überprüfbare Leistungszusage.

Quellen und Einordnung

Technische Aussagen beruhen auf den folgenden Primärquellen. Die Prüfliste und Beschaffungshinweise sind daraus abgeleitete fachliche Empfehlungen. Aus einer Spezifikation wird keine Aussage über die Konformität eines konkreten Produkts abgeleitet.

Warum es wichtig ist

Der Vergleich verbindet betriebliche Anforderungen mit technischer Umsetzung und Migrationsnachweisen für Netze, Fahrzeuge und Leitstellen.

Belegbasis der Aussagen

  • Belegte TatsacheB01: Lokführer–Fahrdienstleiter → Gespräche in beiden Richtungen; FRMCS FRS 2.1.0, 10.3, 10.4. Einordnung: Weitergeführt. Funktionale Zuordnung, keine vollständige Äquivalenz.[10]
  • Belegte TatsacheB02: Funktionale Adressierung → Funktionale Identitäten; FRMCS FRS 2.1.0, 6; Anhang D. Einordnung: Neu strukturiert. Funktionale Zuordnung, keine vollständige Äquivalenz.[10]
  • Belegte TatsacheB03: Funktionsanmeldung/-abmeldung → Rollenverwaltung und Registrierung; FRMCS FRS 2.1.0, 8.2.4. Einordnung: Weitergeführt, erweitert. Funktionale Zuordnung, keine vollständige Äquivalenz.[10]
  • Belegte TatsacheB04: Ortsabhängige Adressierung → Standortbezogene Fahrdienstleiterauswahl; FRMCS FRS 2.1.0, 10.3.2. Einordnung: Weitergeführt. Funktionale Zuordnung, keine vollständige Äquivalenz.[10]
  • Belegte TatsacheB05: Gruppenruf → Mehrteilnehmerkommunikation und Sprechrechtssteuerung; FRMCS FRS 2.1.0, 10.1, 10.2, 8.2.3. Einordnung: Neu strukturiert. Funktionale Zuordnung, keine vollständige Äquivalenz.[10]
  • Belegte TatsacheB06: Sammeldurchsage/Broadcast → Sprechrechtsbeschränkung; Broadcast-Interworking; FRMCS FRS 2.1.0, 8.2.3.4.8–9. Einordnung: Teilentsprechung; M-V3. Funktionale Zuordnung, keine vollständige Äquivalenz.[10]
  • Belegte TatsacheB07: Bahnfunknotruf → Railway Emergency Communication; FRMCS FRS 2.1.0, 10.11. Einordnung: Weitergeführt. Funktionale Zuordnung, keine vollständige Äquivalenz.[10]
  • Belegte TatsacheB08: Priorisierung und Verdrängung → Prioritätsbehandlung; FRMCS FRS 2.1.0, 8.2.8; Anhang J. Einordnung: Weitergeführt. Funktionale Zuordnung, keine vollständige Äquivalenz.[10]
  • Belegte TatsacheB09: Rangierkommunikation → Rangiersprache und Verbindungsüberwachung; FRMCS FRS 2.1.0, 10.8. Einordnung: Wesentliche Anforderungen V3; Interworking teilweise Vx. Funktionale Zuordnung, keine vollständige Äquivalenz.[10]
  • Belegte TatsacheB10: Lokführer desselben Zuges → Banking Voice Communication; FRMCS FRS 2.1.0, 10.6. Einordnung: Wesentliche Anforderungen V3. Funktionale Zuordnung, keine vollständige Äquivalenz.[10]
  • Belegte TatsacheB11: Kommunikation mit Zugpersonal → Bordinterne Sprachkommunikation; FRMCS FRS 2.1.0, 10.21. Einordnung: Unvollständig; optional für V3 vorgesehen. Funktionale Zuordnung, keine vollständige Äquivalenz.[10]
  • Belegte TatsacheB12: Zugschutz-Datenkommunikation → Automatic Train Protection Communication; FRMCS FRS 2.1.0, 11.4. Einordnung: Weitergeführt. Funktionale Zuordnung, keine vollständige Äquivalenz.[10]
  • Belegte TatsacheB13: Textnachrichten → Messaging Services; FRMCS FRS 2.1.0, 11.27. Einordnung: Entsprechender Funktionsbereich. Funktionale Zuordnung, keine vollständige Äquivalenz.[10]
  • Belegte TatsacheB14: Übergabe von Leitstellenfunktionen → Übertragung funktionaler Identitäten; FRMCS FRS 2.1.0, 8.2.4.6. Einordnung: Teilentsprechung; M-Vx. Funktionale Zuordnung, keine vollständige Äquivalenz.[10]

Quellen

  1. [1]UIC: GSM-R und EIRENE-Spezifikationen — UICLink nicht erneut geprüft
  2. [2]ETSI TS 103 764 V1.1.1 (2026-01): FRMCS System Architecture — ETSILink nicht erneut geprüft
  3. [3]ETSI TS 103 765-2 V1.1.1 (2026-01): Service Stratum — ETSILink nicht erneut geprüft
  4. [4]ETSI TS 103 765-1 V1.1.1 (2026-01): Transport Stratum — ETSILink nicht erneut geprüft
  5. [5]EIRENE Functional Requirements Specification 8.1.0 — UICLink nicht erneut geprüft
  6. [6]EIRENE System Requirements Specification 16.1.0 — UICLink nicht erneut geprüft
  7. [7]UIC FRMCS System Requirements Specification 2.1.0, AT-7800 — UICLink nicht erneut geprüft
  8. [8]ETSI TS 103 765-3 V1.1.1 (2026-01): Train On-Board Functions and Interfaces — ETSILink nicht erneut geprüft
  9. [9]Europäische Kommission: ERTMS Work Plan 2026 — Europäische KommissionLink nicht erneut geprüft
  10. [10]UIC FRMCS FRS, FU-7120, Version 2.1.0 — UICLink nicht erneut geprüft
  11. [11]UIC FRMCS FIS, FIS-7970, Version 2.1.0 — UICLink nicht erneut geprüft
  12. [12]UIC FRMCS FFFIS, FFFIS-7950, Version 2.1.0 — UICLink nicht erneut geprüft
  13. [13]UIC: FRMCS-Dokumentenfamilie einschliesslich TOBA FRS — UICLink nicht erneut geprüft
  14. [14]ETSI TS 103 792 V1.1.1 (2026-01): Interworking with GSM-R — ETSILink nicht erneut geprüft
  15. [15]UNISIG SUBSET-037-1, Version 4.0.0 — UNISIGLink nicht erneut geprüft
  16. [16]ERA: CCS-TSI Anlage A, Spezifikationsliste — ERALink nicht erneut geprüft

Änderungsprotokoll

  • v1 · 04 Oct 2026 Übernahme des abgestimmten Website-Beitrags mit 14 Funktionszuordnungen und 16 Primärquellen; Zeitplan an zentralen Website-Datensatz angebunden.