Gestalten · 3.6
Funkversorgung und Link Budget
Zeit: etwa 12–15 Minuten einschliesslich Aufgabe; Schätzung
Leitfrage: Was sagt eine berechnete Funkreserve aus – und was bleibt zu prüfen?
Lernziel: Du berechnest ein Link Budget und erklärst dessen Grenzen.
Voraussetzungen: Die vorausgehenden Lektionen bis 3.5; insbesondere die dort erklärte Fallakte.
Eine schwache Stelle am Tunnelportal
Die Talbahn vermutet, dass am Tunnelportal zu wenig nutzbare Empfangsleistung ankommt. Bevor sie Standorte verändert, stellt sie Gewinne und Verluste entlang eines angenommenen Funkwegs gegenüber.
Ein Link Budget ist diese Leistungsbilanz zwischen Sender und Empfänger. Es zeigt, welche Empfangsleistung unter den angenommenen Bedingungen zu erwarten ist. Es bildet weder alle zeitlichen Funkänderungen noch automatisch Störungen durch andere Sender ab.
dBm bezeichnet einen Leistungspegel bezogen auf ein Milliwatt. Ein negativer dBm-Wert beschreibt eine Leistung unter einem Milliwatt. dB beschreibt dagegen ein Verhältnis, etwa einen Verlust oder Gewinn. Ein dB-Wert sagt somit aus, wie sich eine Leistung gegenüber einer Bezugsleistung verändert. Ein Pegel in dBm darf daher mit Gewinnen und Verlusten in dB verrechnet werden. dBi bezeichnet einen Antennengewinn gegenüber einem idealisierten, in alle Richtungen gleich abstrahlenden Bezug. Im passenden Link Budget geht dieser Gewinn als dB-Beitrag ein.
Eine vollständig benannte Lernrechnung
Wir betrachten nur die angegebene Richtung. Alle Zahlen sind fiktive Planungswerte.
| Beitrag | Wert | Bedeutung |
|---|---|---|
| Sendeleistung am Gerätausgang | 30 dBm | Ausgangspunkt |
| Sendeantennengewinn | +8 dBi | Wirkung gegenüber Bezugsantenne |
| Verlust vor der Sendeantenne | −2 dB | Beispielsweise Kabel und Anschlüsse |
| Ausbreitungsverlust | −130 dB | Angenommener Funkweg |
| Empfangsantennengewinn | +3 dBi | Wirkung auf Empfangsseite |
| Verlust bis zum Empfänger | −2 dB | Beispielsweise Empfangskabel |
Die erwartete Empfangsleistung beträgt: 30 + 8 − 2 − 130 + 3 − 2 = −93 dBm.
Für das Lernbeispiel wird ein benötigter Empfangspegel von −100 dBm angenommen. Die Reserve ist der Abstand zwischen berechnetem Empfangspegel und diesem benötigten Pegel. Hier ergibt sich −93 − (−100) = 7 dB.
Ein zusätzlicher Verlust von 4 dB senkt die Empfangsleistung auf −97 dBm. Die Reserve sinkt auf 3 dB. Beide Ergebnisse gelten nur mit denselben übrigen Annahmen.
Warum positive Reserve nicht genügt
Der benötigte Pegel hängt unter anderem von Übertragungsverfahren, Datenrate, Bandbreite und Störbedingungen ab. Er ist kein universeller FRMCS-Grenzwert. Ein starker unerwünschter Sender kann die Verbindung beeinträchtigen, obwohl die gewünschte Empfangsleistung über dem angenommenen Pegel liegt.
Uplink bezeichnet die Richtung vom Fahrzeug zum Netz. Hier sendet das Fahrzeug. Downlink bezeichnet die Gegenrichtung. Hier empfängt das Fahrzeug vom Netz. Unterschiedliche Sendeleistungen und Einbaubedingungen können zu verschiedenen Reserven führen. Eine gute Downlink-Rechnung ersetzt deshalb keine Uplink-Betrachtung.
Auch das Frequenzband spielt eine Rolle. Die harmonisierten Bereiche n100 und n101 aus 2.3 schaffen einen Rahmen; sie bestimmen nicht allein Standortabstände oder Versorgung. Tunnelgeometrie, Fahrzeugaufbau, Antennen und reale Störungen müssen berücksichtigt werden. [S08, S12]
Koexistenz in der Funkplanung
Während der Migration benötigt die Talbahn weiterhin GSM-R-Versorgung. Neue FRMCS-Sender, Frequenznutzung und Antennen müssen deshalb mit dem Bestand abgestimmt werden. Ein Bandplan allein belegt keine störungsfreie Koexistenz. Zu prüfen sind unter anderem gegenseitige Beeinflussung, verfügbare Ressourcen und die Versorgung beider Systeme im jeweiligen Migrationszustand. Eine gute Reserve für FRMCS darf nicht durch eine unerkannte Verschlechterung des GSM-R-Bestands erkauft werden.
Von der Rechnung zur Fallakte
Die Talbahn dokumentiert die Herkunft jedes Wertes, die betrachtete Richtung und die benötigte Reserve. Danach vergleicht sie die Annahmen mit Messungen an den kritischen Orten. Erst anschliessend verbindet sie den Funkbefund mit Dienstmessungen wie dem Gruppenruf.
Prüfe dein Verständnis
Ein zusätzlicher Einbauverlust beträgt 6 dB statt der untersuchten 4 dB. Berechne Empfangsleistung und Reserve. Darf daraus ein erfolgreicher Gruppenruf abgeleitet werden?
Musterantwort
−93 − 6 = −99 dBm; gegenüber −100 dBm verbleibt 1 dB Reserve. Das ist nur das Ergebnis dieser Leistungsbilanz. Störungen, zeitliche Änderungen, Gegenrichtung und die vollständige Dienstkette bleiben zu prüfen. Ein erfolgreicher Gruppenruf ist damit nicht nachgewiesen.
Das nimmst du mit
Ein Link Budget erklärt eine Annahme über den Funkweg; Messungen prüfen ihre Tragfähigkeit.
Deine Talbahn-Fallakte
Übernimm Link Budget, Richtung und Herkunft der Annahmen. Ergänze die Messung am Tunnelportal und den Prüfbedarf für die GSM-R-Koexistenz.
Quellen
S08 · ETSI TS 103 765-1: FRMCS Transport Stratum
ETSI TS 103 765-1: FRMCS Transport Stratum
Version: 1.1.1, Januar 2026 · Geprüft: 2026-10-11
Bezug: Transportarchitektur, 5G, Spektrum n100/n101, Mobilität und mehrere Übertragungswege.
Geltungsgrenze: Keine allgemeine Ende-zu-Ende-Leistungsgarantie; QoS-Begriffe zusätzlich S13.
Verwendet in: 1.9, 2.1, 2.3, 2.18, 3.6
S12 · CEPT ECC Decision (20)02
Version: Angenommen 20.11.2020; aktualisiert 10.06.2022; geändert 28.06.2024 · Geprüft: 2026-10-11
Bezug: Harmonisierte Bedingungen für Railway Mobile Radio; Frequenzbereiche. Der offizielle ECC-Katalog führt die Änderung vom 28. Juni 2024 (ECC#64).
Geltungsgrenze: Der Stand 10.06.2022 ist eine ältere Ausgabe. Änderungsstand 2024 durch den offiziellen CEPT-Katalog belegt; PDF-Direktabruf eingeschränkt. Katalog: https://docdb.cept.org/document/category/ECC_Decisions?status=ACTIVE ; neue PDF-Fassung: https://docdb.cept.org/download/4521 ; ältere Fassung: https://docdb.cept.org/download/4039 .
Verwendet in: 2.3, 3.6
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