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Unabhängige Referenz zum Future Railway Mobile Communication System

Anwenden · 2.20

Interworking Function: FRMCS und GSM-R verbinden

Zeit: etwa 10–13 Minuten einschliesslich Aufgabe; Schätzung

Leitfrage: Wie vermittelt die IWF einen gemischten Ruf und welche Grenzen prägen die Migration?

Lernziel: Du erklärst Vermittlung, Grenzen und Migrationswirkung der IWF.

Voraussetzungen: Die vorausgehenden Lektionen bis 2.19; insbesondere die dort erklärte Fallakte.

Ein eigener gemischter Testfall

Im nächsten Pilotversuch fährt Lea Zug 1234 mit FRMCS; Amir fährt Zug 5678 mit GSM-R. Dies ist ein eigener Testfall: Amirs Rollenübernahme in Zug 1234 aus 2.7 wird hier nicht fortgesetzt. Niko möchte beide Fahrzeuge in einem gemeinsamen Ruf erreichen. Koexistenz aus 1.10 bedeutet zunächst nur, dass beide Systeme parallel bestehen. Für den gemeinsamen Ruf müssen zusätzlich ihre Kommunikationsfunktionen zusammenwirken.

Die IWF vermittelt an der Systemgrenze

Eine Interworking Function (IWF) vermittelt die ausdrücklich unterstützten Kommunikationsfunktionen zwischen FRMCS und GSM-R. Sie ordnet dazu Identitäten und Steuerungsinformationen passend zu und ermöglicht den vorgesehenen Medienaustausch. Auf der FRMCS-Seite arbeitet sie mit den zuständigen MC-Dienstfunktionen zusammen, auf der GSM-R-Seite mit den vorgesehenen Sprach- und Signalisierungsfunktionen. ETSI TS 103 792 beschreibt dafür Referenzpunkte, Identitätsabbildung und Rufverfahren. [S11, Abschnitte 5–7]

Das Mobile Switching Centre (MSC) übernimmt Vermittlungsaufgaben des GSM-R-Kernnetzes. Es organisiert dort Verbindungen; die IWF ersetzt dieses Netz nicht. Auch der Trackside Gateway aus 2.12 erfüllt eine andere Aufgabe: Er bindet Anwendungen an FRMCS an. Die IWF vermittelt dagegen zwischen zwei Kommunikationssystemen. Die GSM-R-Netzelemente kannst du bei Bedarf im optionalen Exkurs von 1.3 nachlesen.

Die IWF vermittelt definierte Funktionen zwischen FRMCS und GSM-R. Drei Prüffelder zeigen Identität und Gruppe, Priorität und Sprechsteuerung sowie Medien und Fehlerfälle.
G07 · Eigene vereinfachte Lehrdarstellung. Die IWF vermittelt definierte Funktionen zwischen FRMCS und GSM-R. Drei Prüffelder zeigen Identität und Gruppe, Priorität und Sprechsteuerung sowie Medien und Fehlerfälle.

Grafik in voller Grösse öffnen (SVG, neuer Tab) G07

Lies die Grafik als Funktionsgrenze. Identitäten und Gruppen, Priorität und Sprechsteuerung sowie Medien und Fehlerverhalten müssen jeweils passend behandelt werden. Die Zeichnung ist keine Zusage, dass jede angebotene IWF alle Funktionen unterstützt.

Einen gemischten Ruf verfolgen

Niko fordert den Ruf mit Lea und Amir an. Die FRMCS-Seite bearbeitet die dort benötigte Teilnehmerauswahl. Für den GSM-R-Teil müssen Zielidentitäten und Rufkriterien auf das unterstützte GSM-R-Verfahren abgebildet werden. Eine FRMCS-Teilnehmerliste darf nicht ungeprüft mit einer GSM-R-Gruppenkennung gleichgesetzt werden. Beide Systeme bearbeiten ihre jeweiligen Rufzustände; die IWF vermittelt die vorgesehenen Steuerungsinformationen und Medien.

Nach dem Aufbau hört Niko beide Fahrzeuge. Damit wurde Sprache in diesem Versuch beobachtet. Noch nicht nachgewiesen sind die vollständige Empfängerauswahl, die gewünschte Prioritätsbehandlung oder das Verhalten bei einem späteren Sprechwechsel. Die IWF ist deshalb mehr als eine Audioverbindung, und hörbare Sprache ist nur ein Teilnachweis.

Funktion Nachweisfrage
Ziel und Identität Wird die betriebliche Zielangabe richtig auf die andere Seite abgebildet?
Teilnehmer und Gruppe Erreichen Aufbau und Änderungen die vorgesehenen Teilnehmer?
Priorität Bleibt die benötigte Behandlung an der Grenze erhalten?
Sprechsteuerung Ist eindeutig, wer wann sprechen darf?
Medien Ist Sprache in beiden Richtungen verständlich?
Fehler und Folgeablauf Wird die Störung erkannt und ist der vorgesehene Rückruf oder Ersatzweg möglich?

Die Talbahn prüft beide Initiierungsrichtungen, also einen Rufbeginn von der FRMCS- und von der GSM-R-Seite. Sie betrachtet zusätzlich späten Eintritt in einen laufenden Ruf und Rufbeendigung, soweit diese zum vereinbarten Umfang gehören. Dafür werden Produkte, Versionen und Konfigurationen benannt. Ein gewöhnlicher gemischter Gruppenruf belegt nicht automatisch die besonderen Empfänger- und Prioritätsbedingungen einer bahnbezogenen Gefahrenkommunikation. [S05; S11]

Einen Ausfallpfad vorbereiten

Ein Ausfallpfad ist ein vorbereiteter alternativer Weg für einen festgelegten Zweck unter bestimmten Fehlerbedingungen. Er benötigt vorhandene Ausrüstung, gültige Berechtigungen und einen freigegebenen Ablauf. Fällt die IWF aus, können beide Netze einzeln weiterarbeiten, während der gemischte Ruf ausfällt. Ob dies in der konkreten Architektur zutrifft, hängt auch von gemeinsam genutzten Funktionen ab.

«Dann verwenden alle GSM-R» ist nur tragfähig, wenn die Beteiligten dafür ausgerüstet und berechtigt sind. Ein reines FRMCS-Fahrzeug erhält dadurch keine GSM-R-Fähigkeit. Die Fallakte nennt deshalb Störungserkennung, betroffene Kommunikation, verantwortlichen Entscheid und geprüften Ersatzweg. Fehlt dieser, bleibt die Einsatzbedingung offen.

Warum die IWF die Migration beeinflusst

Während beide Systeme parallel eingesetzt werden, kann die IWF einen benötigten gemeinsamen Kommunikationsraum ermöglichen. Ihre Verfügbarkeit, Kapazität und Funktionsgrenzen bestimmen mit, welche gemischten Betriebsfälle freigegeben werden können. Nach Abschaltung eines Systems wird diese bestimmte Vermittlungsbeziehung nicht mehr benötigt. Bis dahin braucht sie jedoch einen nachgewiesenen Betrieb und einen geplanten Rückbau. In 3.10 wird daraus eine Funktions- und Nachweismatrix; 3.12 ordnet sie den Migrationszuständen zu.

Prüfe dein Verständnis

Im gemischten Ruf hören sich Lea und Amir. Prioritätsabbildung und später Eintritt sind noch nicht geprüft. Was ist belegt, welche Nachweise fehlen und weshalb kann ein IWF-Ausfall anders wirken als ein Ausfall des FRMCS-Funkzugangs?

Musterantwort

Belegt ist die beobachtete Medienkommunikation der geprüften Kombination. Priorität und später Eintritt brauchen eigene Tests; weitere Identitäts- und Rufzustände sind nur im tatsächlich geprüften Umfang belegt. Ein IWF-Ausfall kann die Systemgrenze betreffen, während FRMCS-interne Kommunikation weiterläuft. Fehlender Funkzugang betrifft dagegen die darüber angebundenen FRMCS-Teilnehmer. Gemeinsam genutzte Funktionen und der vorbereitete Ersatzweg müssen ebenfalls geprüft werden.

Das nimmst du mit

Die IWF vermittelt definierte Funktionen an der Grenze zwischen FRMCS und GSM-R. Ihr tatsächlicher Umfang, ihre Fehlerwirkung und ihr Ausfallpfad bestimmen die tragfähigen Migrationsschritte mit.

Deine Talbahn-Fallakte

Kennzeichne Lea in FRMCS-Zug 1234 und Amir in GSM-R-Zug 5678. Dokumentiere Identitäten, Rufzustände, Medien, Priorität und IWF-Ausfall als getrennte Prüfpunkte. Markiere ausdrücklich, welche Funktionen noch nicht nachgewiesen sind.

Quellen

  • S05 · UIC FRMCS FRS FU-7120

    UIC FRMCS FRS FU-7120

    Version: 2.1.0, 29.04.2025 · Geprüft: 2026-10-11

    Bezug: Funktionale Anforderungen, Identitäten, Functional Alias, Sprach- und Gefahrenkommunikation.

    Geltungsgrenze: Lehrgrundlage, kein Beleg für vollständige Produktunterstützung.

    Verwendet in: 1.2, 1.3, 1.6, 2.7, 2.8, 2.15, 2.20, 3.2

  • S11 · ETSI TS 103 792: FRMCS/GSM-R Interworking

    ETSI TS 103 792: FRMCS/GSM-R Interworking

    Version: 1.1.1, Januar 2026 · Geprüft: 2026-10-11

    Bezug: Interworking-Architektur und definierte Funktionsvermittlung.

    Geltungsgrenze: Unterstützung pro Funktion und Kombination nachweisen; keine universelle ETCS-Übersetzung.

    Verwendet in: 1.10, 2.7, 2.20, 2.22

Gemeinsames Quellenregister

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